Quelle:
Artikel im Weilheimer Tagblatt*)
v. 24.09.2001

Willkommen in Weilheims Moschee
Nach Fest-Absage Einladung in den Gebetsraum

Weilheim (mb/vb) Ein halbes Jahr hatten die Organisatoren auf den vergangenen Samstag hingearbeitet. Und rund 50 in der Aktionsgemeinschaft "Runder Tisch gegen rechte Gewalt - für ein weltoffenes Weilheim" vereinte Organisationen, Vereine und Parteien halfen mit bei der Vorbereitung für das deutsch-ausländische Freundschaftsfest. Doch dann kapitulierten sie vor Regen: Das als Auftakt zur "Ökumenischen Woche des ausländischen Mitbürgers" gedachte Fest auf dem Weilheimer Marienplatz wurde am Samstagvormittag kurzfristig abgesagt.
Nach den Terroranschlägen auf die USA hatten die Organisatoren noch bekräftigt, die "Woche des ausländischen Mitbürgers" solle "in besonderer Weise Anlass sein, das freiheitliche und friedliche Zusammenleben in unserer Stadt unter Beweis zu stellen". Zur großen Auftaktveranstaltung in der Innenstadt kam es dann aber nicht: Bei Regen war um 9 Uhr zwar noch mit dem Aufbau begonnen worden, eineinhalb Stunden später jedoch wurde das Fest samt und sonders abgesagt - von den Aufführungen von Vereinen und Kindern verschiedener Nationen über kulinarische Angebote bis hin zum interreligiösen Gebet. Das zumindest soll in dieser Woche noch nachgeholt werden. Ob es auch einen neuen Termin für das Fest geben könnte, will die Aktionsgemeinschaft "Runder Tisch" beim nächsten Treffen am 4. Oktober besprechen. "So leid es allen getan hat, es musste eine Entscheidung getroffen werden", sagte SPD-Ortsvorsitzender Ingo Remesch namens der Organisatoren. Angesichts anhaltend schlechter Wetterprognosen habe sich die Mehrheit der Beteiligten für die Absage ausgesprochen. Dem Regen trotzte einzig die Katholische Junge Gemeinde, die bis in den Nachmittag hinein in einem Zelt vor der Kirche Kaffee und Kuchen verkaufte.

Zahlreiche Bürger dagegen folgten der Einladung der islamischen Gemeinde in die Moschee in der Oberen Stadt, wo sie den Gebetsraum der Moslems besichtigen und Fragen zum Islam stellen konnten und in der sie vom türkisch-islamischen Verein bewirtet wurden. Die Moschee, wo die islamische Gemeinde anlässlich der "Ökumenischen Woche des ausländischen Mitbürgers" Führungen anbot, war auch am gestrigen Sonntagnachmittag Anziehungspunkt für zahlreiche deutsche Familien. "Wir sind stolz auf unsere schöne Moschee", erklärte Atila Güven vom türkisch-islamischen Verein den interessierten Besuchern. Er erläuterte zum Beispiel, warum das Teppichmuster schräg zur Wand ausgerichtet ist: Gebetet wird auch in Weilheims Moschee gen Mekka, und leider seien die Mauern des 1997 zur Moschee umgebauten Hauses nicht danach ausgerichtet. Die Besucher wollten auch die Meinung der Weilheimer Moslems zu den Terroranschlägen in den USA erfahren: Imam Aydin Sadik, geistliches Oberhaupt der islamischen Gemeinde, habe während der Freitagsgebete in seinen Predigten Terror jeder Art verurteilt, und die Moslems seien ebenso wie alle anderen Weilheimer entsetzt über diese Anschläge, übersetzte Güven die Worte des islamischen Gelehrten. Rund 120 Mitglieder zähle die islamische Gemeinde, berichtete Güven den Besuchern weiter. Doch stehe das Haus zum Gebet und zur Koranschule jedem offen. Im Einzugsbereich der Weilheimer Moschee leben rund 1000 Muslime.

Nächste Veranstaltung in der "Woche des auslänischen Mitbürgers" ist heute, Montag, 24. September, eine Podiumsdiskussion zum Thema "Ausländerrecht und die Praxis der Ausländerbehörde" (20 Uhr, "Haus der Begegnung" an der Römerstraße).



*)Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion