
"Ich bin schon etwas rechts eingestellt"
Hakenkreuz und Nazi-Lieder: 20-Jähriger vor Gericht
VON URSULA FRÖHLICH Schongau - Rechtsradikale Umtriebe vor dem Amtsgericht Schongau: "Gegensteuern und zeigen, dass so etwas sehr ernst zu nehmen ist", war daher das Anliegen von Amtsrichter Klaus Hiefner. Das Gericht verurteilte einen 20-Jährigen aus dem westlichen Landkreis wegen "Verbreitung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" zu achtzig Stunden Sozialdienst sowie einem Jahr Betreuung. Richter Hiefner stellte klar, dass im Wiederholungsfall ein Freiheitsentzug im Raum stehe.
Der Angeklagte hatte im Oktober 2001 per Internet im Ausland Armbinden, Halskettchen und Schlüsselanhänger mit Hakenkreuz sowie eine CD mit rechtsradikalem Liedgut bestellt. Die Lieferung wurde am Frankfurter Flughafen sichergestellt. Eine Hausdurchsuchung beim 20-Jährigen brachte einschlägige Artikel zu Tage. Darüber hinaus soll er sich in einem Internet-Gästebuch mit rechten Parolen eingetragen haben.
Mit unbewegter Miene saß der Angeklagte auf der Bank, als der Staatsanwalt übelste rechtsradikale Liedtexte von der gefundenen CD mit Hetzparolen gegen Zigeuner, Neger, Juden, Türken und die Demokratie verlas. Auch bei der Befragung durch Amtsrichter Klaus Hiefner hielt sich die Einsicht des jungen Mannes in Grenzen: Zu seiner politischen Einstellung wollte der der 20-Jährige sich nicht äußern. "Ich bin etwas rechts eingestellt", räumte er ein.
Auf die Frage nach der Ursache für dieses Gedankengut, antwortete der von Geburt an infolge einer Hasenscharte gehandikapte, er werde in der Berufsschule ständig von Ausländern gehänselt. "Ich kann mich sprachlich nicht so gut ausdrücken", erklärte er. Bei näherer Befragung musste er allerdings einräumen, dass an den Hänseleien auch Deutsche beteiligt sind.
Als erzieherische Maßnahme wurde eine einjährige Betreuung durch "Die Brücke" in die Strafe eingebunden.