SZ, STAer Lokalteil v. 21.06.2002
Gesteuerte Zuwanderung - kein Fluch, sondern Chance
Podiumsdiskussion des "Runden Tisches gegen rechte Gewalt" zum Auftakt des Deutsch-Ausländischen Freundschaftsfestes in Weilheim
Von Georg Wernthaler
Weilheim - Durchaus differenziert Ergebnisse lieferte die Podiumsdiskussion zum Thema "Zuwanderung - Fluch oder Chance", die am Mittwochabend als Auftaktveranstaltung zum morgigen Deutsch-Ausländischen Freundschaftsfest im Weilheimer "Haus der Begegnung" stattfand. Auch wenn sich die Mehrheit der Gäste bei der Veranstaltung des "Runden Tisches gegen rechte Gewalt" der Zuwanderung gegenüber positiv eingestellt zeigte, fehlte es nicht an kritischen Tönen.
Konsens bestand auf dem Podium über die positiven Chancen der Zuwanderung, wenn sie gesteuert und gestaltet wird. Auch über die Notwendigkeit guter Deutschkenntnisse war man sich einig. "Wer überhaupt nicht Deutsch kann, ist fast chancenlos", betonte Dieter Tausend, langjähriger Personalleiter und Vertreter des Unternehmerkreises Weilheim-Peißenberg. Einfachere Tätigkeiten würden zunehmend durch komplexere Arbeitsabläufe ersetzt und erforderten anders als früher immer mehr aktive und kritische Arbeitnehmer.
Auch Norma Mattarei, die auf dem Podium für die Caritas München mitdiskutierte, sieht die Notwendigkeit verbesserter Bildung. Allerdings forderte sie neben dem Engagement der Ausländer auch, dass "Mittel zur Verfügung gestellt" und "die richtigen Angebote gemacht" werden müssten. Integration statt "Multikulti" forderte auf dem Podium Thomas Peral von der Evangelischen Landeskirche. Dies sei allerdings etwas anderes als Assimilation, die sich "sicherlich als Fluch" erwiese. Eine deutliche Absage erteilte er Vorhaben, dieses Thema wahlkampfpolitisch auszuschlachten.
Für hitzige Beiträge des Publikums sorgten Koran-Zitate, die ein Gast als Beleg für den fehlenden Willen der islamischen Zuwanderer zur Integration vorlas. Neben der Publikumskritik, man dürfe hier nicht Textabschnitte "nach der Steinbruchmethode" herausnehmen, sondern müsse diese Zitate im Kontext sehen, warnte Weilheims evangelischer Pfarrer Robert Maier davor, "die Integrationsdiskussion auf eine religiöse Ebene zu heben". Wenig Verständnis aus dem Publikum erntete ein Gast für seine Angstvision einer millionenfachen Zuwandererschwemme im Falle des EU-Beitritts der Türkei.